Die Krankenhausfinanzierung ist zu komplex, als das Bürger es verstehen könnten.

Wirklich? Diese Frage stellte ich mir 2012, als ich verstehen wollte, warum die Geburtshilfe zugrunde geht. Die Antwort: Nein, die Krankenhausfinanzierung kommt an keiner Stelle über das Niveau an Rechenkünsten der 4. Klasse hinaus. Es ist sogar recht einfach. Man hat nur zum Schutz des Systems Mauern, Gräben und Türme aufgezogen. Alles Getöse, das mit dem Kern der Finanzierung nichts zu tun hat. Wie die Finanzierung funktioniert und welche Auswirkungen sie hat, davon berichtet diese Seite.

 

Eine Berechnung besteht immer aus genau zwei Teilen: den Daten und den Kalkulationsbedingungen

Die Daten liefern Kliniken, die freiwillig an der Berechnung der Fallpauschalen teilnehmen. Sie ermitteln, wie viel die Diagnostik und Behandlung eines Patienten mit einer bestimmten Hauptdiagnose und möglichen dazugehörigen Nebendiagnosen kostet. Umso komplizierter der Fall, desto höher die Kosten. Aus dem Durchschnitt aller teilnehmender Kliniken wird dann der Preis bestimmt.

Eine Kalkulationsbedingung kennen wir alle seit der Grundschulzeit – Punkt- vor Strichrechnung. Das Fallpauschalensystem kennt sehr viele. Die grundsätzliche Bedingung, die über allem schwebt, ist aber bereits entscheidend für die großen Probleme, die es verursacht. Diese Bedingung lautet: Es werden nur aktive Leistungen eingebracht. Zwar teilt das Krankenhaus seine gesamten Kosten auf, es geht scheinbar nichts verloren, es kommt nur nicht mehr da an, wo Vorhaltung erbracht wird.

 

Vorhaltung – was ist denn das?

Vorhaltung ist Personal mit Zeit für ungeplante Situationen. Das kann eine neue Aufnahme sein, aber auch Patienten können Krisen erleiden oder einfach mehr Hilfe benötigen als andere. An manchen Tagen kommt alles zusammen. Damit das Personal trotzdem allen gerecht werden kann und keine erforderlichen Tätigkeiten am Patienten ungeleistet bleiben müssen, insbesondere aber auch, um Zeit für Hygiene zu haben, ist es wichtig, dass ausreichend Personal vorgehalten wird.

Ich nenne die Vorhaltung liebevoll das Q, denn die Vorhaltung bestimmt maßgeblich die Qualität. Dieses Q wurde im Laufe des Fallpauschalensystems wegrationalisiert. Die Kostenfaktoren im System, z. B. Pflegekräfte, Hebammen, Laboranten, Physiotherapeuten, Logopädisten und Ergotherapeuten, wurden eingespart. Die Leistungen, die insgesamt eine hohe Vorhaltung benötigen, wie z. B. Geburtshilfe, Kinderstationen, Innere und Notfallmedizin wurden abgebaut oder eingeschränkt.

Die Kehrseite ist, dass die fehlende Vergütung für Vorhaltung die planbaren Eingriffe – Diagnostik und chirurgische Behandlungen- sehr lukrativ machen. Es lohnt sich besonders viele Ärzte in den betreffenden Fachgebieten zu beschäftigen.